Aleppo-Seife zur Reinigung trockener Fetthaut?

Ich habe schon so viel von der traditionsreichen Aleppo-Seife gehört und gelesen, dass ich sie unbedingt auch mal ausprobieren wollte. Immerhin wird sie von vielen als "Rettung" bezeichnet und durch den unterschiedlichen Anteil an Lorbeeröl, kann sie an das jeweilige Bedürfnis der Haut angepasst werden. Soweit meine Theorie :) Meine Reinigungsemulsion von Santaverde war gerade aufgebraucht und im Bioladen habe ich eine Aleppo-Gästeseife gefunden, die sich für einen Test angeboten hat. Mal sehen, ob sie auch bei meiner Seborrhoea sicca Wunder bewirken kann...

Was ist Aleppo-Seife?

Die Aleppo-Seife ist eine Olivenölseife mit einem variablen Anteil an Lorbeeröl. Sie wird seit velen Jahrhunderten von Seifensiedern hergestellt und ist Überlieferungen nach, die erste Seife der Welt gewesen. Die Seife wird traditionell in Syrien in Aleppo hergestellt und sie ist auch heute noch erhältlich, obwohl viele Seifenmanufakturen durch den Krieg zerstört wurden. Das Olivenöl wird dabei zusammen mit der Natronlauge in riesigen Kesseln bei hoher Hitze verkocht, bis gegen Ende des Verseifungsprozesses Lorbeeröl - zwischen 2 und 40 Prozent - hinzu gegeben wird. Je höher der Lorbeeranteil ist, desto länger braucht es bis zur vollständigen Verseifung. Im Gegensatz zu vielen anderen Seifen, wird die Unterlauge abgelassen und die Seifenmischung ausgewaschen, bis sie völlig laugenfrei ist. Bei der Aussalzung werden überschüssige Fette, Glycerin und Unverseifbares herausgespült, weshalb sie üblicherweise kaum einen Überfettungsgrad hat. Nachdem die Seife gehärtet und in Stücke geschnitten, sowie gestempelt wurde, wird sie zur Reifung in luftigen Räumen gelagert. In dieser Zeit verfärbt sich die Seife außenrum ockerfarben, bleibt innen allerdings olivgrün. Nach ca. neun Monaten ist sie vollständig getrocknet und kann in den Handel.

 

Zur Körperreinigung, Hautpflege und Wundheilung verwendeten schon die alten Griechen und Römer die Lorbeerseife, die hohe Anteile an Linolsäure aufweist und reich an den Vitaminen A und E sowie an Mineralien wie Kalium, Magnesium und Kalzium ist. Vor allem durch das Lorbeeröl wirkt die Seife neben der Reinigung als Adstringens, antibiotisch und antifungal auf die Haut, außerdem stimulierend und rückfettend. Medizinisch wurde sie insbesondere gegen Krätze, Läusebefall, Schuppenflechte, Nagelbettentzündungen, Neurodermitis und Schuppenflechte eingesetzt. Regelmäßige Anwendung soll die Haut entfetten, ohne sie auszuttrocknen!

 

Klingt doch perfekt für Seborrhoea sicca!

Der richtige Lorbeeröl-Anteil

Als nächstes stellt sich die Frage, wie hoch der enthaltene Lobeeröl-Anteil sein sollte. Hier ist ja eine breite Spanne verfügbar.

 

Grundsätzlich gilt:

Je höher der Anteil an Lorbeer, desto rückfettender und feuchtigkeitsspendender ist die Seife.

 

Die Blätter des Lorbeerbaumes sind uns ja sicher allen aus der Küche bekannt. Hieraus wird auch das ätherische Lorbeeröl destilliert. Es wird häufig in medizinischen Anwendungen z.B. bei Rheuma-Patienten oder bei Akne eingesetzt, kann aber auch Kontaktallergien auslösen.

 

Die Aleppo-Seife schäumt leicht und hat einen würzigen Geruch, der erstmal gewöhnungsbedürftig ist. Glücklicherweise überträgt sich der Geruch beim Waschen aber nicht auf die Haut.

 

Am 20.03.2018 habe ich den Test mit dem kleinen Seifenstück mit 4% Lorbeeröl gestartet und habe mir noch im April ein großes Seifenstück mit 12% Lorbeeröl zugelegt. Bisher kann ich aber leider keine Wunder vermelden. Ich verwende die Seife morgens und abends, nachdem ich mich mit dem Mizellenwasser abgeschminkt habe. Leider brennt die Seife auch ziemlich in den Augen, so dass man etwas vorsichtig sein muss. Meine Haut fühlt sich nach der Anwendung zwar quietsche-sauber an, spannt aber leider auch etwas (bei mir besonders an der Stirn), so dass ich auf jeden Fall eincremen muss. Vielleicht ist aber mein Lorbeer-Anteil auch einfach noch zu niedrig, ich wollte die Haut aber langsam daran gewöhnen...

Säureschutzmantel Vs. basische Pflege

Ein weiterer Aspekt ist die Tatsache, dass eine Seife nicht pH-(Haut)neutral ist, womit wir beim Thema basische Pflege und Hautschutzmantel wären. Hier scheiden sich nun die Geister, denn während die einen glauben, dass die Haut als Ausscheidungsorgan durch eine basische Pflege in ihrer Funktion unterstützt wird, sind die anderen davon überzeugt, dass die Haut einen leicht sauren Hautschutzmantel mit einem pH-Wert von 5,5 hat und diese Schutzsschicht durch basische Pflegeprodukte zerstört und dann erneut aufgebaut werden muss. Da ich bei meinen Recherchen keine wirklichen Belege für die erste Annahme gefunden habe, die schulmedizinischen Erklärungen zur Hautschutzbarriere einleuchtend finde und mich die Anwendung der Aleppo-Seife auch nicht vom Gegenteil überzeugen konnte, glaube ich weiterhin an den Säureschutzmantel. Aber das ist wie gesagt ein gaaanz weites Feld!

 

 

Mein Fazit:

Nach allem was ich über die Aleppo-Seife gelesen habe, war sie definitiv einen Versuch wert! Mich persönlich hat sie nicht überzeugt, da ich die Anwendung von meiner Reinigungsemulsion von Santaverde als wesentlich angenehmer empfinde. Besonders hat mich das Brennen in den Augen gestört, das kenne ich so nicht und auch der Geruch war nicht wirklich umwerfend. Ich bin überzeugt, dass die Seife schon allein aufgrund ihrer Tradition eine Berechtigung hat und hier gute Dienste leisten kann, für Seborrhoea sicca scheint sie aber nicht das richtige Reinigungsprodukt zu sein.

 

 

Kennt ihr Alepoo-Seife und habt andere Erfahrungen machen können?

 

 

Hier, hier und hier erfahrt ihr noch mehr über die Herstellung und Wirkung von Aleppo-Seife.

Erhältlich sind die Seifen z.B. in Bioläden, im Müller Naturshop, bei Zhenobya oder Amazon.

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